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Gaming als Frau

Zwei Spielerinnen des 1. Esport Club Frankfurt e.V. erzählen wie es ihnen als Frauen im Gaming ergeht, was sie erlebt haben, was sie nervt und wie sie damit umgehen.

portgasDjasmin: Mein Name ist (ingame) portgasDjasmin und ich bin 22 Jahre alt. Ich spiele jetzt mittlerweile seit fünfeinhalb Jahren League of Legends und bin seit gut einem Jahr Mitglied beim 1. ECF. Gerade eben spreche ich mit Lilibear und wir wollten uns austauschen wie es eigentlich ist, als Frau zu zocken.

Willst du dich auch kurz vorstellen? Wie alt bist du? Was zockst du?

Lilibear: Ich bin (ingame) Lilibear und bin 22 Jahre alt. Ich spiele regelmäßig und hauptsächlich Overwatch aber wenn mir das zu viel wird weiche ich gerne auf the Witcher aus. Ich bin seit letztem Semester Mitglied beim 1.ECF.

portgasDjasmin: Kurze random Frage zwischendurch, was studierst du?

Lilibear: Momentan noch Wirtschaftsjura, ich wechsel aber im Oktober zu Wirtschaftsingenieurwesen und du?

portgasDjasmin: Ich studiere Germanistik und Philosophie im Nebenfach. Wie kamst du eigentlich zum Spielen?

Lilibear: Ich habe einen älteren Bruder, mit dem ich als Kind immer gemeinsam auf der PlayStation oder der N64 gezockt hab und seitdem bin ich eigentlich dabei geblieben. Du?

portgasDjasmin: Den älteren Bruder habe ich auch. Von ihm habe ich immer seine “ältere” Konsole geerbt und so dann eben Super Nintendo, Playstation 1 und 2 gespielt. Konsolen die ich als Kind selbst bekommen habe waren der Gameboy Advance, der Nintendo DS und die Wii. Bis ich mit League angefangen habe, war das einzige Spiel, in das ich wirklich sehr sehr viel Zeit investiert habe, Animal Crossing Wild World. Zu League kam ich über Freunde, die redeten ständig davon und irgendwann wollte ich auch einfach mal wissen was und wie das so ist.

Lilibear: Was an League of Legends hat dich so an das Spiel gebunden?

Ich habe gemerkt, wie meine Freunde “genervt” davon waren, dass ich noch nicht gut in dem Spiel war

portgasDjasmin: Als erstes hat mich der Wunsch besser zu werden daran gebunden. Ich habe gemerkt, wie meine Freunde “genervt” davon waren, dass ich noch nicht gut in dem Spiel war und ich muss auch ehrlich sagen, ich hätte nicht die Geduld mit mir gehabt, die sie gehabt haben. Hast du mit diesem “intensiven” online Gaming mit Overwatch angefangen oder einem anderen Spiel?

Lilibear: Ich habe auch tatsächlich mit League of Legends angefangen und muss dir in dem Punkt recht geben. Wobei ich sagen muss, dass ich ohne die „Unterstützung“ meiner Freunde wahrscheinlich aufgrund von toxischen Gegnern/Mitspielern viel früher aufgehört hätte. Wie ist das bei dir?

portgasDjasmin: Ich spiele sehr selten alleine. Es geht mir natürlich um den Spaß beim Spielen und wenn die Gegner bzw. Mitspieler so toxisch sind macht das keinen Spaß. Wenn man mit Freunden spielt, fällt das flamen der Teammates ja dann meistens weg. Es erschließt sich mir auch nicht ganz, wieso man so toxisch wird. Ich verstehe, dass League of Legends ein sehr emotionales Spiel werden kann, aber trotz allem sollte man die Fassung bewahren können. Kennst du solche Erfahrungen aus aus Overwatch und wurdest du vielleicht mal Opfer von Sexismus ingame? Deinem ingame Namen kann man ja recht leicht entnehmen, dass du eine Frau bist.

Lilibear: Das kann ich gut nachvollziehen. In Overwatch ist es so, dass man in comp Games nicht drumherum kommt, den ingame Voice Chat zu verwenden. Da ist es bei mir oft so, dass ich mich gar nicht erst traue dort überhaupt etwas zu sagen. Man macht oft die Erfahrung, dass sofort irgendwelche Küchenwitze kommen oder man einfach dafür runtergemacht wird, weil man gerne Support spielt. Was sagst du zu dem Vorurteil, dass Frauen ausschließlich Support spielen und sich nur carrien/boosten lassen?

Ich selbst spiele auch gerne Support und fühle mich ein wenig, als müsste ich mich dafür schämen

portgasDjasmin: Ich selbst spiele auch gerne Support und fühle mich ein wenig, als müsste ich mich dafür schämen. Wenn ich im Reallife andere Leaguespieler treffe und kennen lerne, ist die erste Frage meistens leider nicht: “Welche Rolle mainst du?”, sondern einfach eine Aussage wie “Ach, du spielst ja bestimmt Support… deine Mainchamps sind bestimmt Lux und Lulu”. Ja ok, ich spiele hauptsächlich Support und ich spiele auch gerne Lux und Lulu. Ich spiele aber auch gerne Thresh oder Swain und ab und an spiele ich auch gerne ADC. Es ist einfach eine persönliche Präferenz. Auf Sololanes funktioniere ich einfach nicht so gut wie als Support oder ADC. Es gibt genug Frauen, die gerne andere Rollen spielen und es nervt, dass jeder dich mit Vorurteilen behandelt. Dadurch, dass ich kaum Ranked spiele, kann es schonmal nicht dazu kommen, dass ich gecarried werde. Würde ich viel Zeit investieren und auf Gold oder Platin climben, höre ich schon Leute sagen “Na? Wurdest du gecarried?” Es sind einfach diese Vorurteile, denen sich der Großteil der Gamingszene bedient und das schmerzt in irgendeiner Form. Kennst du das oder hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?

Lilibear: Ja das sehe ich auch so, ich spiele sehr gerne Support, einfach weil das mein playstyle ist. Zudem maine ich Moira. Moira ist ein Hero, mit dem man nicht nur healed, sondern auch eigentlich DPS spielen kann (man sollte das natürlich nicht dauernd tun). Ja, das höre ich oft. Ich habe einen Account auf Platin und einen Smurf Account den ich mir auf Master geplaced hab. Da wird dann oft gesagt „Ach beim Smurf spielst du dann mit deinem Freund der dich carried?“ etc. Dann immer der Vergleich mit E-Girls der mir langsam echt auf den Senkel geht, weil ich davon nicht weiter entfernt von sein könnte. Würdest du abschließend sagen, dass sich was ändern sollte an der Einstellung anderer gegenüber Frauen im E-Sport oder wirst du es akzeptieren so wie es ist?

portgasDjasmin: Natürlich kennt man diese E-Girls, die süße Charaktere spielen und von denen man sich nicht ganz sicher ist, ob es sich überhaupt um richtige Menschen und nicht einfach um irgendwelche Püppchen handelt, wenn man mit ihnen im Chat ist. Die sich gezielt carrien lassen, die sich tonnenweise Skins (gegen Echtgeld erwerbbar) schenken lassen und irgendwie auch kaum mit Emotionen spielen. Als Frau wird man sehr schnell mit E-Girls in einen Topf geworfen. Meiner Meinung nach, sollte sich etwas ändern. Es wäre schön als “vollwertiger Gamer” angesehen zu werden. Ich will nicht nur ein E-Girl sein, das sich carrien lässt, deren Nummer man abchecken will und die doch eigentlich in die Küche und nicht in summoners rift gehört. Siehst du das auch so?

Ich kann den Begriff „Girl Gamer“ auch nicht mehr hören

Lilibear: Ja ich sehe es auch so. Ich kann den Begriff „Girl Gamer“ auch nicht mehr hören. Wenn man oft und gerne zockt, dann ist man Gamer. Ist mir doch egal ob die Person weiblich ist oder eben auch nicht. Ich habe sowieso das Gefühl, dass das von teammates immer nur angesprochen wird, wenn das Spiel gerade schlecht läuft. Die Leute suchen halt irgendwie einfach jemanden zum blamen und das nervt. Ich wünsche mir auch, dass sich mehr Frauen trauen in die Profi-Szene einzusteigen. Aber ich glaube das ist noch ein weiter Weg. Bis dahin zock ich einfach ganz normal weiter und hoffe, dass sich das irgendwann bessert.

portgasDjasmin: Abschließend lässt sich also sagen und ich denke ich spreche dabei für uns Beide: Wir würden uns einfach eine gewisse Unvoreingenommenheit gegenüber Frauen, die zocken wünschen. Was auch wichtig ist zu erwähnen, natürlich ist nicht jeder Gamer ein “Sexist”. Meine schlechten Erfahrungen diesbezüglich sind zum Glück nicht der Regelfall.

Jan Köhler

Jan Köhler Jan „Rook“ Köhler ist Gründer und 1. Vorsitzender des 1.ECF. Seit der Gründung von University eSport Frankfurt ist Jan dabei die Esport Szene in Frankfurt am Main und Umgebung aufzubauen und zu professionalisieren. Auch neben dem Esport ist Jan in der Gaming Welt unterwegs, neben der Teilnahme in League of Legends an der Prime League spielt er auch Pen and Paper in verschiedenen Runden.

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